Brust, Bauch, Po: So werden sie wieder straff nach der Schwangerschaft

  • Autor: Philipp Meier
  • Veröffentlicht am 1. Juni 2016

Selbst viele Monate nach der Geburt schauen sich viele Frauen ungern im Spiegel an, weil der Körper die alte Straffheit noch nicht wiedererlangte. Babywelten zeigt, wie die grössten Problemzonen angegangen werden sollten.

Welche Mutter erinnert sich nicht an die Meldung vor einigen Jahren, als Supermodel Heidi Klum sich ganze 34 Tage, nachdem ihre Tochter Leni zur Welt gekommen war, schon wieder in einem knallengen Abendkleid dem Blitzlichtgewitter der Fotografen auf dem roten Teppich stellte – ohne jeglichen sichtbaren Makel im wohlgeformten Modelkörper? Gleiches auch bei anderen Prominenten wie Victoria Beckham oder Herzogin Kate.

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Obwohl jeder Körper anders auf die Geburt reagiert, sollte leichter Sport immer als Hilfsmittel genutzt werden, um Schwangerschaftspfunde zu verlieren und die unvermeidlich gedehnte Haut zu regenerieren.

Gerade Frauen, die nach der Geburt wirklich kämpfen müssen, um ihren Körper wieder in Schuss zu bringen, knirschen bei solchen Promidamen verständlicherweise mit den Zähnen. Nachmachen, was die Stars vorleben, sollten Frauen jedoch keineswegs. Denn zunächst haben solche vermeintlichen Supermütter ein Heer von Nannys und Personal Trainern, wie die Chefredakteurin des Boulevardblattes „Bunte“ erklärt. Zudem gibt der gleiche Artikel zu bedenken: Es kommt einer Vergewaltigung des eigenen Körpers gleich, sich innerhalb von drei Wochen eine neunmonatige Schwangerschaft runterhungern zu wollen“.

Für „normale“ Mütter, die nicht im Rampenlicht stehen, gibt es also Entwarnung. Was allerdings nicht bedeuten soll, dass kein passendes Trainingsprogramm nach der Geburt vonnöten ist.

Allein schon die Rückbildungsgymnastik sollte sich keine Frau entgehen lassen. Wenn jedoch der Körper in diesem Bereich wieder im Normalzustand ist, müssen die diversen Problemzonen angegangen werden, die sich während der Schwangerschaft gebildet haben.

Babywelten erklärt im Folgenden, wie es geht.

Grundsätzliches

Vor allem bei Frauen mit schwachem Bindegewebe ist der Bauch nach der Schwangerschaft ohne Schönheits-OP kaum wieder straff zu bekommen.

Jede Frau nimmt während einer Schwangerschaft im Schnitt 13 bis 14 Kilo zu – natürlich kann dieses Gewicht auch darunter oder darüber liegen. Aber keine Panik, auch hier ist nicht alles überflüssiges Fett. Neben dem reinen Gewicht von Kind und Plazenta kommen auch noch Wassereinlagerungen dazu, die sich in den Wochen nach der Geburt zurückbilden. Bleiben noch wenige Kilos, die tatsächlich aufgrund von Körperfett auf der Waage zuschlagen – diese lassen sich in den meisten Fällen schon mit einer schonenden Diät adäquat bekämpfen.

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Vor allem bei Frauen mit schwachem Bindegewebe ist der Bauch nach der Schwangerschaft ohne Schönheits-OP kaum wieder straff zu bekommen.

Was jedoch viel schlimmer wiegt: Die Schwangerschaft hat nicht nur den Babybauch, sondern auch die Brüste und vielfach Po und Oberschenkel anschwellen lassen. Die Haut ist aber nur bis zu einem gewissen Grad elastisch – alles, was darüber hinaus geht, bleibt eine plastische Verformung, die unschöne Spuren in einem ehemals straffen Frauenkörper hinterlässt.

Dabei ist aber von Frau zu Frau unterschiedlich, wie elastisch die Haut ist: Frauen mit starkem Bindegewebe haben selbst nach einer Zwillingsschwangerschaft kaum Probleme, wieder einen flachen Bauch zu bekommen. Umgekehrt kann bei Müttern mit schwachem Bindegewebe eine einzige Schwangerschaft schon für Hängebrüste und mehr sorgen. Diese „überschüssige Haut“ ist es, die für die meisten der grösste Kritikpunkt an ihrem Post-Schwangerschaftskörper darstellt. Und sie kann zumindest teilweise wegtrainiert werden – jedoch entscheidet darüber nicht nur der eigene Willen, sondern vor allem die Veranlagung. Allerdings: Mütter nach einem Kaiserschnitt sollten sich erst mal mindestens zwei Monate lang schonen.

Zudem gilt: Als Faustregel sprechen Experten von ganzen zwei Jahren, die es dauern kann, bis der Körper wieder wie vor der Schwangerschaft aussieht.

Allein schon aus diesem Grund sollten frischgebackene Mütter sich auf gar keinen Fall entmutigen lassen und vor allem jegliches Training sehr langsam angehen. Niemand erwartet von Ihnen, dass sie eine Geburt so radikal wegstecken wie ein Supermodel.

1. Beine & Po

Weil der Po nicht unmittelbar von der Schwangerschaft gedehnt wird, lässt er sich nach der Geburt am besten wieder klein trainieren.

Die am leichtesten zu bekämpfenden Problemzonen nach der Geburt liegen im unteren Körperbereich: Beine und Po sind die Areale, in denen sich während der Schwangerschaft Fett einlagert – gleichsam werden sie weder wie die Brust fürs Stillen benötigt, noch sind sie empfindlich wie die Bauchmuskulatur. Losgehen kann es deshalb nach der postnatalen Untersuchung, also rund sechs Wochen nach der Geburt.

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Weil der Po nicht unmittelbar von der Schwangerschaft gedehnt wird, lässt er sich nach der Geburt am besten wieder klein trainieren.

  • Los geht es mit leichten Spaziergängen, die die Mutter aber nicht überanstrengen sollen.
  • Ab der zehnten Woche dürfen Mamis sich auch wieder die Inline-Skates anschnallen, denn die dabei nötigen Bewegungen sind besonders gut für die Muskulatur der Oberschenkel und des Pos geeignet. Allerdings sollte sich dieses Training auf reine Spazierfahrten beschränken, weil alles weitere die Beckenbodenmuskulatur zu stark belasten würde.
  • Nach der zwölften Woche darf mit leichten Kniebeugen begonnen werden: Dazu einfach mit etwas gespreizten Beinen hinstellen und leicht in die Hocke gehen. In dieser Position für einige Sekunden verharren. Die Übung fünf Mal wiederholen.
  • Ebenfalls nach drei Monaten kann nach Rücksprache mit dem Arzt auch wieder das Lauftraining aufgenommen werden. Damit dass vor allem die nach der Geburt vergrösserten Brüste und ihr Bindegewebe nicht belastet, sollte in jedem Fall ein ausreichend stabiler und unbedingt passgenauer Sport-BH getragen werden.
  • Unterstützt werden sollte die Haut durch das Massieren mit kaltem Wasser aus der Dusch- oder Badewannenbrause, gern auch täglich. Und dann sollten Mütter darauf achten, die betroffenen Zonen mit hautstraffenden Lotionen einzucremen, die das Untergewebe bei der Rückbildung unterstützen.

Grundsätzlich gilt jedoch auch bei den Po-Übungen: Nie ohne Rücksprache mit Arzt oder Hebamme. Und sobald Schmerzen auftreten: abbrechen.

2. Busen

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist es, dass Stillen eher für eine schlaffe Brust sorgt – das tritt jedoch auf, wenn das Kind ausschliesslich aus der Flasche ernährt wird.

busen nach der schwangerschaft

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist es, dass Stillen eher für eine schlaffe Brust sorgt – das tritt jedoch auf, wenn das Kind ausschliesslich aus der Flasche ernährt wird.

Die schlechte Nachricht zuerst: Da der Busen selbst nicht von Muskeln durchzogen wird, sondern zum grossen Teil aus Fettgewebe besteht, kann er nach der Schwangerschaft nur schlecht durch Trainingseinheiten unterstützt werden. Während der Schwangerschaft sorgt der sich ändernde Hormonhaushalt dafür, dass die Brüste anschwellen – doch ganz gleich ob gestillt wird oder nicht, diese Üppigkeit bildet sich früher oder später zurück, weshalb bei sehr vielen Frauen der Busen hernach hängt.

Auch hier gibt das Bindegewebe den Ton an, aber das bedeutet nicht gänzlich, dass Frauen mit schwachem Bindegewebe künftig mit einem Hängebusen leben müssen:

  • Je besser die Brust durchblutet wird, desto stärker kann das Bindegewebe repariert werden. Mütter sollten deshalb den Busen täglich mit den Fingerspitzen komplett und sanft massieren.
  • Gleichzeitig können auch in diesem Fall kalte Duschen den Busen straffen. Dabei gilt: Je kälter und je öfter, desto grösser der Erfolg. Wenig empfindliche Mamis können dabei auch Eisbeutel zur Hilfe nehmen.
  • Auf Salz sollten Neumütter nach der Geburt weitestgehend verzichten, denn es lagert Wasser im Körper ab, was wiederum das Bindegewebe zusätzlich belastet.
  • Als sportliche Übungen bietet sich (sehr leichtes) Bankdrücken ab der zwölften Woche sowie Butterfly-Übungen mit Ein-Kilo-Hanteln an, die den Brustmuskel unterhalb des Busens kräftigen.
  • Nicht zuletzt muss bereits während der Schwangerschaft, vor allem aber danach immer ein passender Stütz-BH getragen werden. Das ist zwar unbequem, verhindert aber effektiv, dass das Bindegewebe, das durch die Schwellung des Busens ja schon gedehnt wird, auch noch durch das Gewicht weiter belastet wird.

3. Bauch

Der Bauch wird durch die Schwangerschaft mit Abstand am stärksten in Mitleidenschaft gezogen – und ist gleichsam die Problemzone, die am ehesten wieder trainiert werden darf. Denn er wird schon bei den frühesten Beckenbodenübungen, die schon wenige Stunden nach der Geburt beginnen können, mittrainiert – und so lange Mamis bei diesen Übungen bleiben, profitiert der Bauch davon.

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Prinzipiell kann das Neugeborene bei jeder sportlichen Betätigung mit eingebunden werden. Das stärkt die Bindung und erhöht die Motivation.

Grundsätzlich gilt: Nach der Schwangerschaft sollten Frauen es zunächst nicht mit Diäten übertreiben, denn je drastischer die postnatale Gewichtsabnahme, desto grösser das Risiko, dass der Bauch zwar klein aber schlaff wird, so Schönheitschirurg Pejman Boorboor. Die Gewichtsabnahme sollte deshalb langsam vonstattengehen, damit die Haut sich während des Gewichtsverlustes von selbst straffen kann.

Generell hilft alles für einen flachen Bauch, was auch vor einer Schwangerschaft in diesem Bereich effektiv war. Also beispielsweise die Sit-Ups. Allerdings sollten Neumütter vor solchen Übungen grundsätzlich den Arzt konsultieren, denn wann eine Frau für dieses Training wieder bereit ist, ist so unterschiedlich, dass es dazu keine seriöse Pauschalaussage geben kann.

Ebenfalls sehr effektiv ist folgende Übung: Die Mutter legt sich auf den Rücken. Nun die Beine anziehen, dass die Oberschenkel senkrecht in die Luft und die Unterschenkel waagerecht abstehen. Jetzt ein Bein nach vorne schieben, bis zwischen Ober- und Unterschenkel ein 45-Grad-Winkel erreicht ist. Drei Sekunden halten, das Bein in die Ausgangsstellung ziehen und mit dem anderen Bein beginnen. Jedes Bein sollte so zwischen 15 und 30 Mal pro Tag gestreckt werden.

Bei einer weiteren Übung liegt die Mutter ebenfalls flach auf dem Rücken. Das Baby kann dabei mit dem Kopf Richtung Füsse auf die Oberschenkel gelegt und gut festgehalten werden. Nun die Unterschenkel anziehen und den Körper vom Boden wegdrücken und zwar so, dass er nur noch auf den Füssen und den Schulterblättern liegt. Im Idealfall zieht sich eine Linie von den Knien bis zum Hals. In dieser Position für fünf Sekunden verharren und dann unter Spannung den Körper langsam wieder absenken. Diese Übung kann pro Tag 5 bis 20 Mal wiederholt werden.

Fazit

Jeder Körper reagiert unterschiedlich auf die Schwangerschaft. Selbst ehrgeizige, sehr sportliche Mütter sollten einsehen, dass der Mensch nach der Geburt vornehmlich Erholung benötigt – und kein stundenlanges tägliches Workout. Sanft beginnen, aber am Ball bleiben lautet die Devise. Und vor allem: Immer wieder die eigenen Problemzonen massieren, kalt abbrausen und eincremen. Diese drei Schritte können für die Haut mehr tun, als jedes noch so straffe Training. Und wer sich die Wut beim Anblick von postnatal schlanken Promidamen gar nicht verkneifen kann, sollte bedenken, dass auch oft genug Tricks im Spiel sind: So gab Angelina Jolie, die drei Monate nach ihrer Zwillingsgeburt in einem hautengen Kleid auftrat, unumwunden zu: „Ein gutes Kleid, mehr nicht“.

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Quellen:

  • Fotos: cherryandbees/SENTELLO/Syda Productions/Oksana Kuzmina/runzelkorn by fotolia.com