Freche Kids

  • Autor: Philipp Meier
  • Veröffentlicht am 18. November 2017

Wie können Eltern reagieren, wenn der Nachwuchs rebelliert und trotzig ist?

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Wenn Kinder langsam aber sicher heranwachsen, dann setzt früher oder später die bekannte Trotzphase ein, in der der Nachwuchs immer öfter Widerworte gibt, Aufforderungen einfach ignoriert und gerne einmal die Grenzen seiner Eltern austestet. Anstatt das Kinderzimmer aufzuräumen, wird das Spielzeug vielleicht lieber wütend in die Ecke geschmissen und auch beim Spielen mit den Freunden auf dem Spielplatz wird die Aufforderung zum nach Hause gehen einfach überhört.

Für Sie als Eltern ist diese Situation in der Regel nicht leicht, schließlich gilt es nun, den Nachwuchs richtig zu behandeln und das Ausschimpfen oder sogar eine Strafe sind sicherlich nicht immer der richtige Weg, zumindest nicht auf Dauer. Das richtige Verhältnis aus Verständnis zeigen, Grenzen setzen, Freiraum bieten und der nötigen Portion Durchsetzungskraft sind nun vonnöten, doch die Umsetzung ist oftmals gar nicht so leicht.

Warum kommt es plötzlich zur Trotzphase?

Vor wenigen Wochen war der Nachwuchs noch unkompliziert, plötzlich wird jedoch rebelliert? Grund dafür ist unter anderem die Tatsache, dass mit dem Eintritt in das Alter eines Kindergartenkindes auch ein immer größeres Selbstbewusstsein entwickelt wird. Kinder sind nun weniger abhängig von ihren Eltern und haben einen starken eigenen Willen. Zudem gibt es jetzt weitere äußere Einflüsse wie beispielsweise Kindergartenfreunde oder andere Erwachsene, die ihnen Neues vermitteln. Trotzdem müssen Kinder auch jetzt lernen, diese Impulse zu kontrollieren, wenngleich dies auch Zeit und Übung erfordert.

1. Nachgeben und keine konsequenten Anweisungen

Letztendlich – und das ist wohl auch allen Eltern klar – liegt der Fehler meist in der Erziehung, wenngleich sich viele gar nicht darüber im Klaren sind, dass sie hier und da große Fehler begehen. Der Ruf nach erhöhter Aufmerksamkeit ist beispielsweise nicht immer berechtigt, manchmal verstehen Kinder einfach noch nicht, dass auch andere Dinge erledigt werden müssen oder weitere Menschen im Mittelpunkt stehen. Quengelt und nervt der Nachwuchs also penetrant, während Sie telefonieren, so sollte selbiges am besten „überhört“ werden, sofern dem Kind vorher kurz die Situation erklärt worden ist (im Sinne von: „Ich möchte mich nun ungestört unterhalten, später habe ich aber wieder Zeit für dich“).

Bei Babys und Kleinkindern ist hingegen Ablenkung die bessere Möglichkeit, denn hier haben lange Erklärungen oder Diskussionen noch keinen Sinn. Trotzdem geben viele Eltern irgendwann entnervt auf, wenn wieder einmal ein klassischer „Tobsuchtsanfall“ oder aber ständiges Gebrüll an der Tagesordnung sind. Für Kinder ist dies aber eine klare Antwort – denn ihre Taktik hat funktioniert und folglich werden sie sie daher wieder einsetzen.

2. Wenn aus Spass Ernst wird

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Sei es aus Wut oder beim etwas wilderen Spielen, Trotz und Rebellion können auch schnell dazu führen, dass ungewollt etwas zu Bruch geht. Das ist vor allem dann ärgerlich, wenn vielleicht noch ein Dritter involviert ist oder etwas bei den Nachbarn oder einer befreundeten Familie durch den Nachwuchs beschädigt wird. Allerdings sind Kinder bis zu einem Alter von sieben Jahren laut Gesetzgeber noch nicht deliktfähig – das gilt allerdings nur dann, wenn der Schaden oder eine Verletzung nicht vorsätzlich herbeigeführt wurden. Versicherungen raten in einem solchen Fall dazu, die Haftpflichtpolice noch einmal genauestens zu überprüfen.

Grundsätzlich gilt jedoch: solange die Eltern ihre Aufsichtspflicht nicht vernachlässigt haben, müssen sie auch nicht für ihre Kinder haften. Wann hier jedoch eine Verletzung vorliegt, entscheidet im Zweifel der Richter. So oder so macht es aus Sicht der Eltern aber dennoch Sinn, den entstandenen Schaden zu begleichen und sei es nur aus moralischer Sicht – schließlich sollen die betroffenen Nachbarn, Freunde oder Verwandte nicht unnötig erzürnt werden.

Danach stellt sich die Frage, wie dem Nachwuchs sein Fehlverhalten klargemacht werden kann, damit es nicht noch einmal zu einer ähnlichen Situation kommt. Wie so oft heißt es aber auch hier: Nicht immer ist eine Bestrafung die richtige Lösung, manchmal kann es sehr viel sinnvoller sein, das Passierte in aller Ruhe zu besprechen und dem Kind dabei auf Augenhöhe zu begegnen.

3. Überforderung, Nachahmung, Aufmerksamkeit

Apropos kaputtmachen, nicht immer muss die plötzliche Zerstörungswut aus Trotz entstehen. Gerade Kleinkinder überschätzen ihr Können beispielsweise sehr häufig und versuchen sich an Aufgaben, denen sie noch nicht gewachsen sind. Ein Grund dafür kann sein, dass sie etwas genauso gut wie die Großen machen wollen – zum Beispiel ein Glas Saft einschenken oder den Einkaufswagen schieben. Landet dieser dann wenige Sekunden später im nächsten Dosenstapel, so sind nicht nur die Eltern so manches Mal genervt, auch der Nachwuchs selbst ist fassungslos. Schimpfen ist in einer solchen Situation nicht angebracht, denn Kinder sollten nun nicht entmutigt werden – besser ist es hingegen, dem Kind zu zeigen, wie das Chaos wieder beseitigt werden kann. So wird der Nachahmungstrieb positiv gefördert und die Kids lernen automatisch, die Dinge künftig mehr zu respektieren oder vorsichtiger zu sein. Nicht zuletzt ist das Kaputtmachen von Spielzeug oder anderen Dingen manchmal aber auch ein Ruf nach Aufmerksamkeit.

Gerade für kleine Kinder ist die Aufmerksamkeit der Eltern sehr wichtig und bleibt diese aus, so wird eben protestiert. Eltern sollten sich hier eines klar machen: das Kind wünscht sich Zuneigung und nimmt dafür sogar Schimpfe und Ärger in Kauf – höchste Zeit also, sich ein wenig Zeit zu nehmen. Ganz generell sollten sich Eltern außerdem häufiger einmal fragen, ob sie ihrem Kind gegenüber genügend Zeit haben und dann abwägen.

4. Der richtige Einsatz von Anweisungen

Damit Anweisungen überhaupt befolgt werden können, müssen diese zunächst erst einmal verstanden werden. Zu viele Anweisungen und Richtlinien können beispielsweise auch schnell dafür sorgen, dass Ihr Kind glaubt, es Ihnen ohnehin nicht Recht machen zu können.

Die Folge ist Resignation, woraus wiederum die bekannte Rebellion erwachsen kann. Mehr als eine oder zwei Anweisungen sollten es daher nicht auf einmal sein – ganze Aufzählungen von Aufgaben und Verboten, werde es wahrscheinlich nur überfordern. Es macht also mehr Sinn, die Ausführung einer Anweisung abzuwarten, bevor eine neue erteilt werden kann. Andererseits geben einige Eltern aber auch schlichtweg zu wenige Anweisungen und lassen ihr Kind damit unbewusst im Unklaren, was von ihm erwartet wird.

Vielleicht sind die Anweisungen aber auch einfach zu schwer, also einfach nicht verständlich genug und können daher nicht befolgt werden. Hierbei sollten Eltern stets bedenken, dass Kinder bezüglich ihres Entwicklungsstandes sehr unterschiedlich und daher individuell zu betrachten sind. Es macht also einen Sinn nach dem Prinzip „der Nachbarsjunge von Nebenan kann das doch auch schon“ zu handeln.

5. Zu wenig Lob

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Ganz klar, Kinder müssen nicht immerzu und wegen jeder Kleinigkeit gelobt werden, in wichtigen Situationen ist es aber dennoch so, dass Eltern bei gutem Benehmen kaum eine Reaktion zeigen, bei unerwünschtem Verhalten hingegen jedoch direkt schimpfen. Auch hier lautet die Botschaft für viele Kinder, dass sie sich demnach „daneben benehmen“ müssen, um beachtet zu werden. Dr. med. Andrea Schmelz rät beispielsweise folgende Handhabung:

„Nehmen Sie sich vor, Ihr Kind jeden Tag dreimal für erwünschtes Verhalten zu loben, auch wenn es gar nichts „Besonderes“ gemacht hat. Allein die Tatsache, dass es ohne Streit eine Stunde mit dem Geschwisterkind gespielt hat oder sich morgens ohne Trödeln angezogen hat, ist eine Umarmung und anerkennendes Loben wert. Sagen Sie z. B.: „Ich freue mich, dass du so schön mit deinem Bruder/ deiner Schwester gespielt hast“ oder „Ich bin stolz auf dich, weil du heute Morgen so schnell angezogen warst“.“

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Quellen:

  • Fotos: pixabay.com © Antranias, pixabay.com © bykst, pixabay.com © towbar