Natürliche Geburt nach Kaiserschnitt (VBAC)

  • Autor: Redaktion Babywelten
  • Veröffentlicht am 8. November 2019

Die Chancent sind gross, dass Sie nach einem Kaiserschnitt Ihr nächstes Baby ganz normal - also vaginal - gebären können.

Kann ich nach einem Kaiserschnitt mein nächstes Baby natürlich zur Welt bringen? (VBAC)

Diese Frage beschäftigt viele Frauen. Vor allem, wenn Sie Ihr erstes Kind mit einem Notfallkaiserschnitt zur Welt gebracht haben, möchten Sie vielleicht beim zweiten versuchen, es vaginal zu gebären.

Grundsätzlich spricht nichts gegen eine zweite, vaginale Geburt, eine sogenannte VBAC (ausgesprochen: vi-back: vaginal birth after caesarean section), solange die Ursache für den Kaiserschnitt nicht ein zu enges Becken war. Denn in diesem Fall wird Ihr Becken wohl auch für Ihr zweites Baby zu eng sein, sodass Sie wiederum einen Kaiserschnitt haben werden.

Allerdings ist eine Spontantgeburt nach einem Kaiserschnitt doch eher selten: In den USA gebären im Schnitt nur 8 Prozent der Frauen nach einem Kaiserschnitt vaginal, in der Schweiz sind es etwa halb so viele. Dabei könnten noch mehr Frauen nach einem Kaiserschnitt vaginal gebären:

  • 75 Prozent der Frauen, die einen Kaiserschnitt hatten, können ihr zweites Baby vaginal gebären.
  • 90 Prozent der Frauen, die vor dem Kaiserschnitt schon mindestens einmal vaginal geboren haben, können ihr weiteres Kind natürlich zur Welt bringen.

Risiko Gebärmutterriss

Die grosse Unbekannte bei einer vaginalen Geburt nach einem Kaiserschnitt ist die Narbe. Hält sie dem Druck der Presswehen stand? Denn das Risiko eines Gebärmutterrisses (Uterusruptur) steigt nach einem Kaiserschnitt um rund das 40fache: Also bei einer von 200 Schwangeren kann die Narbe reissen.

Werden Wehen verstärkende Medikamente eingesetzt, beträgt das Risiko sogar bis zu 4 Prozent (1 zu 25).

Ein Gebärmutterriss ist für Sie wir Ihr Baby sehr gefährlich. Bei der Mutter kann es zu starken, inneren Blutungen und einer vorzeitigen Ablösung der Plazenta kommen. Dadurch ist auch das Baby gefährdet.

Ultraschalluntersuchung minimiert Risiko

Wissenschaftler haben jedoch herausgefunden, dass im Ultraschall zwischen SSW 19 und SSW 22 sehr gut festgestellt werden kann, ob die Gebärmutter den Belastungen einer natürlichen Geburt standhalten könnte. Dazu wurden 131 Frauen untersucht, von denen 74 erfolgreich vaginal gebären konnten. Die anderen Frauen bekamen ihr Kind letztlich per Kaiserschnitt. Bei zwei der Frauen riss während der Geburt die Gebärmutter - und beide Frauen hatten im Ultraschall-Untersuch bereits eine so dünne Gebärmutterwand, sodass die Wissenschaftler ihnen vom Versuch, vaginal zu gebären, abgeraten hätten.

Geburtshaus oder Spital

Grundsätzlich sollten Sie mit einem Kaiserschnitt im Spital gebären, weil eben doch ein erhöhtes Risiko besteht, dass die Narbe reissen kann. Selbst wenn bei der Ultraschalluntersuchung das Risiko als gering eingestuft wurde, können Sie im Spital besser versorgt werden als im Geburtshaus.

Nochmals Kaiserschnitt oder natürliche Geburt?

Wenn Sie nun vor der Entscheidung stehen, ob Sie einen Kaiserschnitt planen sollen oder ob Sie es mit einer vaginalen Geburt erst versuchen möchten, sollten Sie sich, bzw. wird Ihre Hebamme, Ihre Ärztin/Ihr Arzt Ihnen folgende Fragen stellen:

  • Was ist der Grund des ersten Kaiserschnitts? Kann dieser Grund diesmal wieder eintreten (zum Beispiel, wenn Ihr Baby nicht durch den Geburtskanal kommen konnte, weil Ihr Becken zu eng ist, wird dieses Becken noch immer zu eng sein und Sie werden wohl wieder einen Kaiserschnitt haben)?
  • Wie haben Sie sich bei der letzten Geburt gefühlt? Hatten Sie beispielsweise grosse Angst vor den Wehenschmerzen und haben Sie sich deswegen zu sehr verkrampft?
  • Welches sind Ihre Gedanken/Gefühlen heute gegenüber einer vaginalen Geburt?
  • Wie verlief Ihre Schwangerschaft bisher? Gab es Probleme oder Komplikationen?

Zusammen mit Ihrer Hebamme, Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt werden Sie die Vor- und Nachteile einer vaginalen oder eines Kaiserschnitts für Sie ganz persönlich diskutieren und abwägen.

Das erhöht Ihre Chance auf eine vaginale Geburt

Es gibt ein paar Fakten, die Ihre Chance auf eine vaginale Geburt nach einem Kaiserschnitt erhöhen:

  • Sie hatten vor der Schwangerschaft einen BMI von unter 30
  • Je jünger sind Sie sind, desto höher die Chancen
  • Der letzte Kaiserschnitt liegt länger als 18 Monate zurück
  • Sie hatten vor dem Kaiserschnitt schon einmal eine vaginale Geburt
  • Ihr Baby liegt in der richtigen Geburtsposition und der Gebärmutterhals wird weich
  • Ihr Baby ist leichter als 4000g
  • Die Wehen kommen um den errechneten Termin herum, sodass Ihre Geburt nicht eingeleitet werden muss
  • Sie leiden an keiner Schwangerschaftskomplikation

Eine vaginale Geburt ist nicht möglich, wenn...

  • Sie schon einen Gebärmutterriss hatten
  • das Baby viel zu klein oder zu gross (> 400g) ist
  • das Baby nicht in der Geburtsposition liegt (Steisslage)
  • Sie mehr als einen Kaiserschnitt hatten
  • die Geburt medikamentös eingeleitet werden muss
  • beim letzten Kaiserschnitt die Gebärmutter nicht quer sondern längs aufgeschnitten wurde. Allerdings ist diese Schnittführung heute in Europa sehr selten.
  • wenn Sie eine Placenta praevia haben
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Quellen:

  • Informationen zu "Birth after previous caesarean" www.rcog.org.uk (Abrufdatum 6.2013)
  • Predicting successful vaginal birth after cesarean section using a model based on cesarean scar features examined using transvaginal sonography. Naji O., Wynants L., Smith A., Abdallah Y., Stalder C., Sayasneh A., McIndoe A., Ghaem-Maghami S., Van Huffel S., Van Calster B., Timmerman D., Bourne T.: Ultrasound in Obstetrics & Gynecology 2013 www.degum.de