Babyfenster oder vertrauliche Geburt

  • Autor: Redaktion Babywelten
  • Veröffentlicht am 7. November 2019

Wenn eine Mutter ihr Kind nicht behalten möchte oder kann, kann sie es anonym in ein Babyfenster legen oder im Spital eine vertrauliche, also anonyme Geburt wählen.

Vertrauliche Geburt

Bei der "vertraulichen Geburt" muss die Mutter muss ihr Baby nicht heimlich zu Hause oder irgendwo draussen zur Welt bringen, sondern kann es in einem Spital gebären, wo sie und ihr Baby von der medizinischen und psychischen Hilfe profitieren können.

Nach der Geburt wird die Mutter das Spital verlassen, während das Baby in Obhut des Spitals bleibt und dann zu einer Pflegefamilie kommt. Die Mutter hat sechs Wochen Zeit, es sich doch noch anders zu überlegen und ihr Kind anzuerkennen. Sonst wird es zur Adoption freigegeben.

Die Daten bleiben vertraulich beim Spital, sodass die Anonymität der Mutter während der vorgeburtlichen Betreuung garantiert ist. Manche Spitäler lassen die Mutter, um sie zu schützen, auch zu Randstunden oder durch den Hintereingang zu den Vorsorgeuntersuchungen kommen.

Nach der Geburt muss das Spital die Daten der Zivilstandsbehörden melden. Das Dossier wird allerdings mit dem Vermerk «vertrauliche Geburt» versehen, damit die Daten NICHT an die Einwohnerkontrolle oder das Staatssekretariat für Migration, bzw. das Amt für Migration weitergeleitet werden. Damit haben nur die Zivilstandesbehörden Zugriff auf die Daten.

Die vertrauliche Geburt ist für Frauen gedacht, die ihre Schwangerschaft verheimlichen wollen oder müssen. Ziel ist es zu verhindern, dass diese Frauen ihr Baby nicht irgendwo zur Welt bringen, was ein gesundheitliches Risiko für Mutter und Kind darstellt, oder dass das Baby gar ausgesetzt oder getötet wird.

Wenn Sie Ihr Baby anonym gebären wollen, wenden Sie sich an den Notfalldienst Ihres Spitals - viele grosse Spitäler, vor allem Frauenfeld, die Uniklinik Zürich, Genf und Lausanne - führen schon länger vertrauliche Geburten durch.

Kind kann Namen der Mutter erfahren

In der Schweiz hat jedes Adoptivkind das Recht, Auskunft über die Personalien (Name, Vorname, Heimatort bzw. Staatsangehörigkeit) seiner leiblichen Eltern zum Zeitpunkt der Adoption zu verlangen.

Das heisst, auch bei einer vertraulichen Geburt kann das Kind nach Erreichen seiner Volljährigkeit bei den Zivilstandbehörden des Geburtskantons ein Gesuch stellen, dass es seine leiblichen Eltern kennen möchte. In diesem Falle wird die Mutter informiert. Nur, wenn die Mutter einverstanden ist, erhält das Kind die Adresse, sodass eine Kontaktaufnahme möglich ist.

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Quellen:

  • Thurgauer Zeitung, Erste vertrauliche Geburt im Thurgau, 20.11.2015, www.thurgauerzeitung.ch
  • Sonntagszeitung, 25.12.2016, S 9